Sentiment Analysen
Stimmungsumfragen in den Finanzmärkten erfreuen sich bereits seit Jahrzehnten vor allem in den USA grosser Beliebtheit. Dennoch gibt es bei solchen Erhebungen markante Unterschiede und bislang unbeachtete Schwachstellen. Eine Achillesferse liegt hauptsächlich in der Auswahl der befragten Teilnehmer. Besonders dann, wenn es sich dabei um Analysten, Kundenberater oder - gerade im Zeitalter des Internet - gar um Personen handelt, die sonst kaum mit den Finanzmärkten in Berührung kommen. Dies hat nichts damit zu tun, dass die Meinung dieser Gruppen weniger Gültigkeit besässe als die von Händlern oder Investoren. So können etwa Analysten durchaus eine klare Meinung vertreten, halten aber nur selten auch eine Position. Ihre Ansicht kann sich theoretisch von einen auf den anderen Tag ändern, ohne dass eine einzige Aktie, Devise oder Rentenpapier den Besitzer gewechselt hat. Es entstehen keine (materiellen) Gewinne oder Verluste.
Aktive Marktteilnehmer haben hingegen eine Bindung (Commitment) an ihre Engagements: Ihre Einschätzungen sind normalerweise Spiegel ihrer Positionen. Jemand der Aktien gekauft hat, wird kaum eine negative Prognose über seine Papiere abgeben. Ein anderer, der gerade seine Bestände abgebaut hat, wird sich nicht optimistisch äussern.
Seit dem Jahre 2002 befragt die Deutsche Boerse AG wöchentlich etwa 170 institutionelle Marktteilnehmer mit einem mittelfristigen Handelshorizont (3 Wochen bis 12 Monate), die ständig Risiken im deutschen Aktienmarkt ausgesetzt sind: In erster Linie Fondsmanager und Vermögensverwalter prognostizieren, ob der DAX bzw. TecDAX (dort werden auch wichtige Privatanleger befragt) in einem Monat höher, gleichbleibend oder tiefer als zum Befragungszeitpunkt gehandelt wird. Wir sind uns bewusst, dass diese Gruppe den Markt zwar nicht alleine bewegt, aber dennoch einen wichtigen, repräsentativen Ausschnitt darstellt.
Mit Hilfe dieser Sentiment-Erhebung ist es uns möglich, einen tieferen Einblick in die Entwicklung der Aktienmärkte zu gewinnen als dies mit herkömmlichen Analysemethoden möglich ist. So waren wir waren nicht nur in der Lage, die langfristige Baisse im Aktienmarkt in den Jahren 2000 bis 2003 frühzeitig anzukündigen, sondern erkannten auch beizeiten den darauf folgenden Aufwärtstrend. Mehr noch: Wir können mittlerweile die Positionen der Akteure, deren durchschnittliche Einstandskurse und somit einen Teil des zukünftigen Angebotes und der Nachfrage ermitteln.
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